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Eigene Geschichte aufarbeiten

GRÜNDUNG Heimatverein "Hoogstede-Arkel" startet mit 67 Mitgliedern

Sechs Ortsteile, zwei Flüsse, ein Kanal, jede Menge Erdöl, alte Mühlenplätze, Schulen und Kirchen: Dem am Mittwoch gegründeten Heimatverein "Hoogstede-Arkel" bieten sich viele Möglichkeiten, die Geschichte der kleinen Landgemeinde zu erkunden. Spannende Berichte erhoffen sich die bislang 67 Heimatfreunde besonders von älteren Hoogstedern.

LeebrückeVon Andre Berends
"Wir tun es nicht für uns. Wir tun es für die Gemeinschaft und die nachfolgenden Generationen", sagte Johann Jeurink in der Gaststätte "Jim" in Hoogstede. Der frühere Bankvorstand war soeben zum Vorsitzenden des neuen Heimatvereins "Hoogstede-Arkel" gewählt worden. "Helft uns allen ein wenig, damit der Anfang etwas leichter wird", bat er die Gründungsmitglieder.

Die beiden Hoogsteder Hermann Breukelman und Gerrit Meilink hatten bereits vor zwei Jahren die Idee gehabt, einen Heimatverein aufzubauen. Konkrete Planungen gab es seit vergangenem Dezember. Die Initiatoren konnten dabei schon frühzeitig auf Unterstützung aus der Bevölkerung setzen: Zu einem ersten Treffen kamen 15 Interessierte, bei einem zweiten Termin 24 Besucher. Der Verein werde sich voraussichtlich alle sechs Wochen treffen, erklärte Jeurink, der von Hermann Breukelman und Gerrit Meilink als Stellvertreter unterstützt wird. Kassiererin Immi Bouwers, Schriftführer Jürgen Breukelman und sechs Beisitzern ergänzen den Vorstand.

Der Name des Heimatvereins "Hoogstede-Arkel" soll eine Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit schlagen. Das Dorf Hoogstede war zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus der Bauernschaft Arkel, die zwischen dem Ortsteil Kalle und Großringe liegt, hervorgegangen. In den vergangenen Jahrzehnten seien bereits einige Bücher und Bildbände über die Geschichte des Dorfs erschienen, berichtete Versammlungsleiter Fritz Berends. Trotzdem gebe es noch immer – auch in vielen Familien – zahlreiche Texte und Fotos, die bislang noch nicht erfasst worden seien. "Die Zusammenführung möglichst vieler Dokumentationen ist eine Aufgabe, für die ein Heimatverein prädestiniert ist", meinte Berends.

Nun gelte es, die Arbeit schnell aufzunehmen. Schließlich werde es immer schwieriger, Zeitzeugen zu befragen. Und gerade von ihnen seien interessante Geschichten zu erwarten, erklärte Gerolf Küpers, Vorsitzender des Heimatvereins Grafschaft Bentheim. Er gab den Hoogstedern am Mittwochabend einige Tipps und Ratschläge: Vor allem sei es wichtig, das Gemeinschaftsgefühl im Verein zu stärken und sich Anerkennung in der Bevölkerung zu erwerben. Er empfahl den Hoogstedern, ein Fotoarchiv anzulegen, die Geschichte alter Höfe zu dokumentieren und Flurnamen zu kartografieren. Außerdem schlug Küpers vor, dass der Verein seine Sitzungen künftig auf Plattdeutsch abhalte.

Küpers riet den Hoogstedern davon ab, schon jetzt alle Energie in den Bau eines Heimathauses zu stecken: "Was wir nicht brauchen, ist noch ein Museum mit noch einem Pflug davor. Das gibt es schon überall." Der Heimatverein solle sich lieber auf eigene Stärken und Besonderheiten konzentrieren, für Hoogstede typische Sitten und Bräuche erforschen und erhalten. Sinnvoll und hilfreich sei es außerdem, auch junge Hoogsteder in die Vereinsarbeit zu integrieren – ein Heimatverein sei schließlich kein Altenclub, meinte Küpers.

Dass es derzeit wohl dringendere Aufgaben als den Bau eines Museums gebe, meinte auch Bürgermeister Jan Ensink: "Trotz eines fehlenden Heimathauses gibt es in Hoogstede genug Platz, die Geschichte aufzuarbeiten." Ein Museum sei allerdings eine Vision, die man nicht völlig aus dem Auge verlieren solle. Die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte sei gerade in den vergangenen Jahrzehnten, die von Schnelllebigkeit geprägt seien, immer wichtiger geworden, ergänzte Samtgemeindebürgermeister Hildebrand Stegemann